Drehbuch oder
die Wiedergeburt des Frankenberger "Welt-Theaters"
"Welt-Theater" Frankenberg/Sa.
© Copyright FlyProMa.de & IG "Welt-Theater Frankenberg/Sa." 2010
Gibt es eine spezifisch ostdeutsche Filmkultur?
Wir meinen: selbstverständlich, ja.
Geboren im Zeitalter der mangelbedingten Beschränktheit auf das Vorgegeben-Zensierte-Nichtsanktionierte, gelehrt in der Gabe, "zwischen
Zeilen zu lesen", orientiert sich die cinematographische Kenntnis der deutsch-demokratischen Kinogänger von vor 1989 an einem bedeutsamen
Erfahrungsschatz osteuropäischer Filmproduktionen und an einem eher überschaubaren, dafür aber erlesenen Filmverständnis für Westeuropa
und Übersee.
Eingewoben in diese Rahmenbedingungen schulte die Wahrnehmung einheimischer Kameraspiegelungen einen scharfen Blick für Diskrepanzen
zwischen Filmwelt und Wirklichkeit, für das abgelichtete oder auch unbeleuchtete Detail, während die Kritik an den realkapitalistischen
Verhältnissen allenthalben durch die Einkaufspolitik von VEB Progress & Co. bereits abgegolten war.
Kenntnismangel in der Fläche muss nicht zwanghaft Nachteil sein! Die gelebte Enthaltsamkeit per Vorenthaltung förderte die Aufmerksamkeit
des Zuschauers für das Ausgesprochene, mehr aber noch für das Ungesagte sowie Unaussprechliche. Die Filmtheater der DDR förderten
- ebenso wie die Theatereinrichtungen und in weit stärkerem Maße noch die Kirche - eine Art Subkultur, welche sich in den Herbsttagen
des Wendejahres 1989 vielerorts zu einem "Obdach" für Podiumsveranstaltungen von und mit Bürgerbewegten auswuchs. Bereits zuvor organisierte
die Institution "Kino" den mehrheitlich lautlos, teils auch in Lachen, ganz selten sogar in Szeneapplaus vorgetragenen Protest der
Masse (sprich:Zuschauer) gegen die bestehenden Verhältnisse bzw. skurrile Auswüchse derselben Szenerie.
Darüber hinaus bot die Präsentation
des "westlichen" Filmwesens eine seltene, aber gern genutzte Gelegenheit zum Blick "über den Zaun" der damals "Mauer" gewesen ist.
Das "Welt-Theater" Frankenberg sucht mit einer Wiederaufführung DDR-spezifischer Leinwanderfolge - der "Kassenschlager" ebenso wie
der "Untergrundware" auf diesem Gebiet - an eine Ära zu erinnern, als die Lichtspielhäuser der Republik noch ausverkauft waren und
vollbesetzt mit kritischen Rezepienten gewesen sind.
Der "gezähmte Widerspenstige" und das "Flammende Inferno" sind als eher unterhaltsame Beiträge des Genres vorangegangen, anspruchsvolle
DEFA-Streifen sollen folgen und das Repertoire der Möglichkeiten ist breit gefächert, kaum begrenzt. Die Frankenberger Kinobesucher
haben die Interessengemeinschaft mit regem Zuspruch ermutigt, das "Pflänzchen" einer Zukunft des gediegenen ehrwürdigen Saales von
1937 mit Hoffnung zu wässern; möge es weiter so sein!